Ich brauche den Werwolf und das Einhorn – Warum Auflage 1 alles verändert
Teil der Serie "Hinter den Kulissen bei print2be"
Es war ein großer Moment für mich: Die zweite Druckmaschine kam an. Ein echtes Monstrum, ein echter Produktionssprung für print2be. Aber was in meinem Kopf nach wenigen Wochen anfing, war kein Glücksgefühl – es war pure Frustration. Und der Grund war so simpel wie tückisch: Das Schneiden war die Hölle.
Das Problem: Alles durcheinander
Mit der neuen Maschine kam auch eine neue Möglichkeit: Gangsheets. Das sind Bögen mit mehreren Nutzen – also mehrere Bügelbilder auf einer einzigen Rolle, alle auf einmal gedruckt und dann später geschnitten. Das klingt großartig, und es ist es auch – aber nur, wenn man es richtig macht.
Das Problem war: Ich habe es am Anfang nicht richtig gemacht. Ich wollte nämlich immer noch jeden Millimeter ausnutzen, jedes Pixel der Maschine. Ein PNG kann nur etwa 2,5 Meter maximale Pixel verarbeiten – na gut, dann nutze ich die vollen 2,5 Meter aus. Quer neben Hochformat, alles Mögliche vermischt, wie ein großes Tetris-Spiel.
Das Resultat war, dass beim Schneiden hinterher nur noch ein Gedanke war: Wie ordnest du das alles? Querformat da, Hochformat hier, ein Motiv quer, das nächste hochkant. Wenn du eine Stunde mit einer Schneidemaschine rumwerkelt und versuchst, diesen Mix zu handhaben, dann verstehst du sehr schnell, dass das keine Lösung ist.
Die nächste Iteration: Alles in Reih und Glied
Also kam Version 2: Alles sortiert. Alle Hochformate zusammen, alle Querformate zusammen, eine klare Ordnung. Ja, das brauchte etwas mehr Folie pro Bogen – das musste ich akzeptieren. Aber der Effizienzgewinn beim Schneiden? Der war es wert.
Aber damit war das Problem noch nicht gelöst. Es kam ein neues, noch größeres Kopfzerbrechen: Wenn du mehrere Bestellungen auf einem Gangsheet hast und alles geschnitten ist, wie weißt du denn, welches Bügelbild zu welcher Bestellung gehört?
„Ich brauche den Werwolf und das Einhorn"
Ich sehe mich noch in unserer Produktion stehen, und Katrin zeigt auf einen Stapel gesnittener Bilder und sagt: „Dirk, hier sind die Bügelbilder für Bestellung 4, aber welches Teil ist jetzt von Bestellung 5?"
Und meine Antwort war nicht gerade prozessorientiert: „Äh... der Werwolf ist für Bestellung 4 und das Einhorn gehört zu Bestellung 5?"
Ja, ihr könnt euch vorstellen, dass das kein Prozess ist, auf dem man ein professionelles Unternehmen aufbaut. Das ist ein Desaster-Prozess.
Also kam die nächste Idee: Ich brauche die Informationen direkt neben dem Nutzen auf dem Gangsheet – genau wie es in großen Druckereien üblich ist. Auftragsnummer, Position, Bestellmenge. So kann der Schneidende später sofort sehen, wohin jedes Bügelbild gehört. Das funktioniert. Und mit diesem Prozess haben Katrin und ich fast ein Jahr produziert.
Der erste Stresstest: Karneval mit „Konfetti im Herzen"
Der Wendepunkt kam beim Karneval. Wir hatten eine Kampagne: „Konfetti im Herzen". Das ist einer dieser Momente, wo man merkt, dass das Ganze real ist. Plötzlich kommen nicht ein oder zwei Bügelbilder in die Bestellung – es sind hunderte, tausende. Und jetzt fragst du dich: Hält mein Prozess das aus?
Und tatsächlich: Der Prozess hielt. Solange die Bestellungen sich ähnelten – ähnliche Größen, voraussehbare Motive – funktionierte es. Wir konnten produzieren.
Aber Katrin und ich merkten schnell: Das ist nur die halbe Wahrheit. Dieser Prozess funktioniert für Serien-Aufträge. Aber was ist, wenn wir das machen, was print2be eigentlich kann? Auflage 1. Echte Unikate. Jede Bestellung ist anders. Andere Größe, anderer Schnitt, anderes Motiv. Da läuft unser schöner Prozess gegen eine Wand.
Mit Stoppuhr und Prozessnotation
Das war der Moment, wo ich anfing, alles sehr systematisch anzuschauen. Ich nahm mir eine Stoppuhr, notierte jeden Schritt, katalogisierte jeden Prozess mit BPMN – das ist eine formale Prozessnotation, die große Unternehmen nutzen. Klingt nerdig? Ist es auch. Aber nötig.
Sehr schnell fand ich das erste echte Nadelöhr: Die Vorbereitung zur Bogenmontage. Das ist der Schritt, bevor die Bögen zur Maschine gehen. Dort wird entschieden: Welches Bügelbild muss wo auf dem Bogen platziert werden? Bei einem Unikat-Prozess ist das ein Monster-Problem. Die manuelle Arbeit dort war das Schlachtfeld.
Also habe ich Code geschrieben. Ein Algorithmus, der der Bogenmontage automatisch mitteilt: Zu welchem Auftrag gehört diese Datei? An welcher Position muss sie hin? Welche Bestellmenge? Das nahm eine Menge Handarbeit raus und machte den Prozess vorhersagbar – auch bei Unikaten.
Ein Jahr später: Was ich gelernt habe
Das Witzige ist: Mit dieser eine Optimierung war plötzlich nicht alles gelöst, aber es wurde extrem gut. Die Bogenmontage lief jetzt rund, und alle anderen Prozesse konnten mitziehen. Unikate wurden plötzlich möglich, ohne dass jemand „Werwolf oder Einhorn?" fragen musste.
Was ich daraus mitgenommen habe: Prozesse sind nicht einmalig da. Sie wachsen mit dem, was du brauchst. Am Anfang funktioniert Optimierung. Bei Serien funktioniert Struktur. Bei echten Unikaten brauchst du Automation.
Jede Stufe bringt andere Probleme mit sich – und das ist völlig normal. Die wichtigste Lektion war nicht technisch, sondern menschlich: Merken, wenn ein Prozess gegen die Wand läuft, nicht stur weitermachen, und dann neu nachdenken.
print2be heute kann deshalb Dinge produzieren, die großartig sind: Echte Unikate, Auflage 1, jeder Auftrag anders, und trotzdem sitzt jedes Bügelbild, wie es soll. Das war nur möglich, weil ich mich traute, im Prozess nachzubessern – und das gilt für euch genauso. Ob ihr Bügelbilder für ein Fest macht oder für hundert: Merkt, wo es hakt, und passt es an. So wird's besser. ✨