Eine Sendung kommt zurück. Ohne Grund.
Diese Woche lag bei uns eine Sendung im Briefkasten, die da nicht hingehörte. Eigentlich sollte sie längst beim Kunden sein. Stattdessen klebte ein zusätzlicher Aufkleber quer über der Anschrift. Ein Code, das Wort "Rücksendung", sonst nichts. Kein Vermerk warum. Keine Notiz, was an der Sendung nicht gepasst haben könnte.
Ich hab erstmal das Tracking geöffnet, in der Hoffnung dort eine kleine Notiz zu finden. Fehlanzeige. Da stand brav: "Sendung zugestellt an Dirk Beck." Schön. Warum? Schweigen.
Der Gang zur Post bringt auch nichts
Also bin ich rüber in die Filiale. Sendung unterm Arm, freundliches Hallo, Code vorgezeigt. Der Mitarbeiter scannt, schaut, scrollt. Und dann sagt er den Satz, den ich mittlerweile schon ein bisschen kenne:
"Da müssen Sie sich melden und beschweren."
"Okay, wo denn?"
"Über den Nachforschungsauftrag. Online."
Und damit war das Gespräch in der Filiale auch schon zu Ende. Kein Hinweis warum die Sendung zurückkam, keine Info wer das veranlasst hat, kein Aktenzeichen, das ich mitnehmen könnte. Nur der freundliche Verweis auf ein Formular im Internet.
Der Nachforschungsauftrag ist richtig gut versteckt
Zuhause angekommen, also ran an den Rechner. Ich dachte, das ist eine Sache von zwei Minuten. War es nicht.
Selbst wenn du den direkten Link zum Formular hast, landest du erstmal auf der Hilfeseite. Von dort klickst du dich durch sechs Seiten, beantwortest Fragen wie "Worum geht es?", "Welche Versandart?", "Wer ist der Absender?", "Sind Sie Privat- oder Geschäftskunde?". Bis du endlich beim eigentlichen Formular landest, hast du gefühlt eine kleine Weiterbildung in DHL-Kategorien gemacht.
Und dann das Formular. Als Geschäftskunde wird man da gleich mal mit der EKP-Nummer begrüßt. Diese zehnstellige Nummer, die natürlich jeder von uns auswendig kann. Klar. So wie meine Bankdaten und meine Steuer-ID, alles im Kopf. 😅
Dazu kommen dann Sendungsnummer, Empfängeradresse, Absenderadresse, Inhalt, Wert, Versanddatum, Anlass der Beschwerde, Schadensbild und am Ende noch eine Bestätigung dass deine Angaben stimmen. Bei einem Fall ist das ärgerlich. Bei 1-3 Fällen pro Quartal vergeht dir die Lust gewaltig.
Mein Verdacht zur Beschwerdequote
Ich hab da so eine Theorie. Wenn man Menschen das Beschweren wirklich einfach macht, dann beschweren sie sich auch. Wenn man es ihnen schwer macht, dann lassen viele es einfach bleiben. Und schwupps, sieht die Statistik super aus. "Bei uns beschwert sich kaum jemand, also kommen offenbar fast alle Sendungen an." 😉
Ob das wirklich so gedacht ist, weiß ich natürlich nicht. Aber das Ergebnis fühlt sich genau so an. Und das ärgert mich, denn ich will tatsächlich wissen, was an der Sendung falsch war. Nicht aus Prinzip oder weil ich gerne meckere. Sondern weil ich daraus lernen will. Jeder Fehler kann passieren, finde ich. Aber nur einmal. Beim zweiten Mal sollte man wissen, wo das Problem lag.
Also habe ich mich hingesetzt und programmiert
Einen Nachmittag hab ich investiert. Mehr nicht. Am Ende stand ein kleines Tool, das jetzt fester Teil unserer Produktionssoftware ist. Wenn das nächste Mal ein Paket ohne Erklärung zurückkommt, kostet mich die Beschwerde genau vier Klicks.
Mein 4-Klick-Workflow
So sieht der ganze Vorgang heute bei mir aus:
- Klick 1: Formular öffnen. Ich rufe die Nachforschungsauftrag-Seite direkt aus meiner Produktionssoftware auf. Ein Klick neben der jeweiligen Sendung.
- Klick 2: Daten ins Bookmarklet übertragen. Meine Software übergibt die Sendungsdaten ans Bookmarklet. EKP-Nummer, Sendungsnummer, Empfänger, Absender, Inhalt, Wert. Alles, was die Post wissen will.
- Klick 3: Bookmarklet füllt das Formular. Ein Klick auf das Lesezeichen und das Formular ist in einer Sekunde komplett ausgefüllt. Inklusive der zehnstelligen EKP-Nummer, die ich nie wieder eintippen muss.
- Klick 4: Senden. Kurz drüberlesen, fertig. Beschwerde ist raus.
Was vorher locker zwanzig Minuten gedauert hat, dauert jetzt vielleicht eine Minute. Und der Punkt ist nicht die gesparte Zeit. Der Punkt ist: ich beschwere mich jetzt tatsächlich. Bei jedem Vorfall. Weil es mich nicht mehr nervt.
Was ich daraus mitnehme
Diese kleine Bastelei hat für mich zwei Lehren gehabt. Die erste: Wenn dich ein Prozess regelmäßig nervt, automatisiere ihn. Auch wenn du nur einmal pro Monat einen Nachforschungsauftrag stellst. Die mentale Hürde verschwindet. Du machst es einfach.
Die zweite Lehre richtet sich an alle, die ihre Sendungen über die Post verschicken. Beschwer dich. Auch wenn die Post es dir schwer macht. Auch wenn das Formular umständlich ist. Auch wenn du am Ende vielleicht nur die Versandkosten erstattet bekommst. Es geht ums Prinzip. Solange sich keiner meldet, gibt es keinen Druck etwas zu verbessern.
Übrigens: falls bei dir mal ein Bügelbild von uns nicht ankommt, melde dich einfach. Wir gehen dem nach. Genau dafür haben wir das ganze Tooling eingerichtet und wir können auch Briefe bis zur Auslieferung verfolgen ;-)