Wie ich mir meine eigene Produktionssoftware gebaut habe
Teil der Serie "Hinter den Kulissen bei print2be"
Wenn ich heute auf die letzten Jahre bei print2be zurückschaue, dann gibt es einen Moment, an den ich mich ganz genau erinnere: Ich sitze in meinem Arbeitszimmer, schaue auf drei verschiedene Programme, die ich zum Teil selbst geschrieben habe – und plötzlich sehe ich es. Das ganze Bild. Wie alle Bausteine zusammenpassen, wie ein Puzzle, bei dem die Teile von ganz allein ineinanderfallen.
Das war die Geburtsstunde meiner eigenen Print-Produktionssoftware. Und ich möchte dir zeigen, wie es dazu kam.
Alles fing mit dem Experimentieren an
Du musst wissen: Ich bin nicht jemand, der einfach nur wartet, bis die nächste Lösung am Markt kommt. Wenn ich ein Problem sehe, dann fange ich an zu basteln. Meine Frau sagt immer, ich hätte die Ruhe nicht – aber das ist einfach so, wie ich ticke.
Irgendwann im ersten Jahren hat es mich gereizt: Können wir nicht auch auf den Handys unsere fertig gedruckten Bügelbilder scannen? Einfach einen QR-Code aufs Gangsheet drucken – und dann wissen wir sofort, welche Bestellung das ist, wohin sie sortiert werden muss?
Also habe ich mir einen QR-Code-Scanner fürs Handy zusammengekratzt (die linke Seite im Titelbild ist die erste Version, die rechte Seite ist die zum Zeitpunkt des Blogbeitrags aktuelle Version im Handyhalter für die tägliche Produktion). Nichts Großes, aber es funktionierte. Ein kleines Werkzeug. Isoliert. Nützlich. Und trotzdem lag ich damit wach in der Nacht – weil ich wusste, da steckt noch mehr Potenzial drin.
Zur gleichen Zeit hatte ich bereits die Bogenmontage-Software – ein Programm, das unsere Nutzen am Bogen optimiert, sodass möglichst wenig Verschnitt bleibt. Das war schon ein paar Monate alt, und wir hatten es immer wieder erweitert: Das Archiv kam hinzu, damit wir alte Designs nicht jedes Mal neu anlegen müssen.
Aber das waren immer noch drei separate Welten: Der Bogenmontage-Prozess. Das QR-Code-Scannen. Die manuelle Sortierung nach dem Druck.
Der Klick-Moment: Plötzlich sah ich die Verbindung
Und dann passierte es. Ein ganz normaler Tag, aber irgendwie war an diesem Tag das Licht anders.
Mir ging auf: Das ist nicht einfach eine Sammlung von Tools. Das ist ein System. Ein zusammenhängendes System.
Der QR-Code-Generator könnte Teil der Bogenmontage werden. Bei jedem Druck, den wir vorbereiten, wird automatisch ein QR-Code generiert. Dieser Code kommt direkt mit aufs Gangsheet – nicht irgendwo versteckt, sondern neben den Nutzen, im Infobereich. Jeder Bügelbild-Auftrag bekommt sein eigenes Etikett, sozusagen.
Der Scanner – mein kleines Handy-Tool – liest diesen Code. Und dann passiert die Magie: Das System zeigt dem Mitarbeiter am Ausgabetisch sofort an, in welches Fach der Fachanlage die bearbeitete Folie einsortiert werden muss. Automatisch. Präzise. Keine Zettel, keine Verwechslungen mehr.
Vorher war der Workflow noch anders: PDF downloaden, öffnen, drucken, suchen, wo es hin muss. Zeitraubend. Fehleranfällig. Jetzt? Jetzt drückt man einfach im Browser auf „Druck" – und die Folie wandert direkt in die richtige Box. Doppelt so schnell. Und die Genauigkeit ist perfekt.
Das war der Moment, in dem ich verstand: Das ist nicht einfach Optimierungsgedöns. Das ist echte Effizienz. Das ist Handwerk, das ich aus meiner Zeit in der großen Druckerei-Welt mitgenommen habe – aber jetzt, alleine hier im Rheinland, mit weniger Leuten, dafür intelligenter automatisiert.
Von der Großdruckerei zum Solo-System
Weißt du, was ich früher in meinem alten Job gelernt habe? Da waren wir ein Team von 20, 30 Leuten. 18 Druckstraßen, Sortiermaschinen, jede Menge Hardware. Aber die Grundprinzipien waren die gleichen: Automatisieren, wo es möglich ist. Fehlerquellen minimieren. Den Workflow optimieren.
Der Unterschied: Dort hatten wir die Mittel und das Geld für spezialisierte Maschinen. Hier sitze ich alleine vor meinem Monitor und denke: Wie schaffe ich das mit Software? Wie ersetze ich 20 Mitarbeiter nicht durch eine weitere Maschine, sondern durch intelligente Prozesse?
Das ist kein Gegeneinander, versteh mich nicht falsch. Es ist einfach: Ich muss anders denken. Und mir macht das Spaß – ehrlich gesagt sogar mehr Spaß als die großen Lösungen damals.
Was das für deine Bestellung bedeutet
Jetzt fragst du dich vielleicht: Okay Dirk, aber wieso erzählst du mir das? Ich möchte doch nur mein cooles Bügelbild haben, nicht über deine Tech-Abenteuer hören.
Völlig fair. Aber das ist ja der Punkt: Hinter jedem Bügelbild, das bei dir ankommt, steckt dieser durchdachte Prozess. Jede Bestellung wird automatisch dem richtigen Auftrag zugeordnet. Dein Motiv wird mit absoluter Präzision gedruckt und auf die richtige Folie. Und dann – und das ist wichtig – wird es in die richtige Box sortiert, mit der richtigen Adresse, zum richtigen Versand-Zeitpunkt.
Das ist der Grund, warum es bei print2be so reibungslos läuft. Nicht weil ich besonders talentiert bin. Sondern weil ich angefangen habe, das zu bauen, was die Situation brauchte.
Und das ist glaube ich der Lessons Learned aus dieser ganzen Geschichte: Du musst nicht warten, bis jemand anderes die Lösung bringt. Manchmal musst du einfach anfangen – mit kleinen Tools, mit Experimenten. Und wenn du genug experimentiert hast, merkst du plötzlich: Aha, das gehört zusammen. Dann baust du das System um diese Erkenntnisse herum.
Warum ich das teile
Es gibt zwei Gründe, warum ich dir das alles erzähle:
Der eine: Du sollst wissen, dass hinter print2be nicht nur Marketing und hübsche Webseiten stecken. Es steckt Leidenschaft für den Prozess darin. Es steckt die Bereitschaft drin, Dinge zu hinterfragen und zu verbessern. Und es steckt vor allem die Liebe zum Handwerk drin – ob das jetzt die Großdruckerei war oder ob das heute meine selbstgebaute Software ist.
Der andere: Falls du selbst in einer ähnlichen Situation steckst – du hast ein Problem, mehrere Lösungen, aber irgendwie passt keine richtig – dann ermutige ich dich: Fang an zu basteln. Du brauchst nicht sofort die perfekte Lösung. Du brauchst nur Offenheit für den Moment, wenn die Puzzle-Teile ineinanderfallen. Und der Mut, danach das System so zu bauen, dass es funktioniert.
Bei mir war das meine Bogenmontage, mein QR-Scanner und die Erkenntnis, dass sie zusammengehören. Was ist das bei dir?